Durch Fehler und Siegeswillen gewonnen
Das Desert Dash Namibia ist ein Radrennen der besonderen Art: Es geht von Windhoek nach Swakopmund – 344 Kilometer mitten durch die Wüste, über Geröll- und Sandstraßen. Die Teilnehmer haben maximal 24 Stunden Zeit, das bedeutet radeln bei Tag und bei Nacht. Das fordert eine Menge Kondition, Motivation und Kraft. Die "Rennfreunde" – équipe velo-Fahrer Johannes Hinterseer und sein Freund, Trainings- und Wettkampfpartner – haben es geschafft. Sie erzählen über die Vorbereitungen, die größten Herausforderungen während des Rennens, funkelnde Tieraugen in der Dunkelheit und Durststrecken während der Tour.
Hannes erzählt von seinem Abenteuer im Süden Afrikas - vielen Dank für den Bericht, Hannes:
Die Vorbereitung:
Stefan: Stefan hat nie länger als 2,5h trainiert, dafür hart und mit mehr Regeneration.
Johannes: Ich saß dann doch öfters auf dem Rad als normal, dafür musste ich das Laufen einschränken. Momentan bin ich viel im Schwimmtraining. Auf dem Rad habe ich im Schnee trainiert, das war wahrscheinlich ganz gut für die Sandstrecken.
Das Rennen:
Gesamt 429 Starter | Gesamt 340 Km
Stage 1 Total distance: 33 km gemeinsam mit Stefan Hiene
Nach ca. 10 Km hat sich die erste Spitzengruppe von ca. 30 Fahrern gebildet.
Nach ca. 10 weiteren Km zählte die Spitzengruppe nur noch 10 Fahrer und Stefan Hiene fiel leider auch ab, da er anfangs schlechte Beine hatte, war aber nicht zu weit abgefallen. (Stage 1 war der Horror, da es so heiß war)
Stage 2 Total distance - 69 km
Die 2 Stage musste ich fahren, ich durfte aber erst starten als mein Teamkollege bei mir war, das dauerte ca. 2-3 Minuten und ich konnte losfahren, leider alleine. Vor mir war dann eine 5-Mann Gruppe, die ich nicht einholen konnte. Auf der Strecke ging mir immer wieder das Wasser aus, da es 35°C hatte und ich pro Stunde bis zu 2 Flaschen und mehr getrunken habe.
Nach ca. einer halben Std. wurde ich von einer Verfolgergruppe, bei der auch ein 2-er Teamfahrer dabei war eingeholt, konnte mich aber anschließen.
Mein Plan war es dann, bei Km 85 bzw. Stage Km 54 eine Attacke zu fahren und auf den 15 Km bis Stage 3 Zeit für Stefan herauszufahren.
Meine Attacke hat gesessen und ich fuhr im Anschlag davon, doch nach 2 Km merkte ich, dass ich erst bei Km 75 war :) Da mein Tacho voller Staub und Isodrinks war, konnte ich es zuvor nicht genau lesen. Das hieß dann für mich, 25 Km im Anschlag zu fahren. Auf diesen 25 km habe ich dann ca. 10 -15 Minuten herausgefahren und bin halbtot vom Rad gefallen :) Dafür waren wir in Führung.
Stage 3 Total Distance - 65 km. (Führung verteidigt)
Jetzt war Stefan Hiene an der Reihe und ich konnte im Auto entspannen und mich auf meinen Einsatz in Stage 4 vorbereiten.
Stefan hatte wieder gute Beine und baute unseren Vorsprung weiter aus. Er fuhr seine Strecke schneller als die Sonne unterging.
Stage 4 Total Distance - 69 km. (Mein erster Nachteinsatz mit afrikanischen Tieren)
Es war bereits stockdunkel und meine Lichter waren montiert. Es ging los und nach bereits 500 m fiel das erste Licht aus :) Aber das zweite hat mir gereicht. Auf meiner Stage durften leider keine Autos fahren und ich war bereits ca. 1 Stunde unterwegs, als ich endlich die ersten Reflektorleuchten gesehen habe… Reflektoraugen, nein, es waren die Augen von irgendwelchen Tieren, die auf mich zuliefen :) Ihr hättet mich sehen müssen :) Ich hab geschrien und geflucht, aber es hat geholfen :)
Das passierte mir noch etliche Male :) und das einzige echte Licht, das ich gesehen habe, leuchtete bei der Verpflegungsstation, die es alle 35 km gibt.
Stage 5 Total Distance 70 km. (Die Verfolger holen auf)
Stefan war wieder an der Reihe. Ab Km 50 ging es bei ihm an einer Pipeline entlang, die einen wirklich zerstört, da der Boden nicht gut befestigt ist und der Untergrund hauptsächlich aus Sand besteht und man zudem fast nichts sieht. Doch eine andere 2-er Gruppe hatte uns auf dieser Etappe richtig eingeholt und kam gemeinsam mit Stefan am Startpunkt der Stage 6 an.
Stage 6 Total Distance - 30 km. (Letzte Etappe gemeinsam weiter an der Pipeline / Einbruch / Schieben / die Verfolgerlichter kommen immer näher)
Wir fuhren als Erste in die Stage 6 und düsten mit ordentlichen Tempo weg, konnten dadurch einen kleinen Abstand gewinnen. Doch nach ein paar Kilometern war Stefan endgültig am Ende, wir mussten das Tempo drosseln und die Lichter vom anderen Team kamen immer näher. Ich schob Stefan, da er komplett am Ende war. Er nahm Gels, Bananen, Riegel, um frische Energie zu bekommen. Doch 2 Km vor dem Ziel kam ein 2er Teamfahrer an uns vorbei gefahren und wir wussten, wenn jetzt sein Teamkollgege um die Ecke kommt, ziehen die uns ab oder es gibt ein Sprintduell (und ich kann nicht Sprinten) :) Naja – was meint Ihr? Stefans Riegel, Gels usw. haben gewirkt und er ging ab wie ein Schnitzel und wir sind die letzten 2 Km mit einem 45er Schnitt ins Ziel gefahren. Und dann so doch mit 3 Minuten Vorsprung gewinnen.
Fazit: wenn Stefan trotz seines Einbruchs nicht so gekämpft hätte, ich nicht den Fehler bei Stage 2 gemacht hätte und nicht sovel Zeit rausgefahren hätte, hätten wir wahrscheinlich nicht gewonnen.
Ziel: Chickenburger und Fanta :)
Ausschnitt eines Zeitungsartikels in Namibia:
Internationale Fahrer dominieren Desert Dash
Stefan Hiene und Johannes Hinterseer überzeugten als Duo
Stefan Hiene und Johannes Hinterseer konnten sich über ein solches Preisgeld freuen.Der 36-Jährige Mountainbike-Profi und der erst 17-jährige Triathlet siegten in der Duo-Wertung
in 14:20 Stunden knapp vor Hope 2 (14:23) und Thoshiba Racing Machines(14:42h).
Dabei bewies sich Nachwuchstalent Hinterseer als der stärkere Fahrer.
„Ohne Johannes hätte ich es nicht geschafft“, sagte Hiene.
Zuerst fuhr der junge Bayer mit einer starken Attacke eine Lücke raus, dann trieb er den völlig erschöpften Hiene in Udo-Bölts-Manier ins Ziel.
„Zuerst hat er mich an der Pipeline durch den Sand geschoben, dann auf der asphaltierten Straße den Zeitfahrer gegeben“, beschrieb Hiene voll Respekt die beeindruckende Leistung des Youngsters kurz vor dem Ziel.
Den Sieg verdanke ich auch Sebastian Jahnke unserem Autofahrer sowie meinen Sponsoren wie funktionelles.de mit Max und Martin die mich mit Material, wie z.B mit Lichtern für das Rennen ausgestattet haben, bike-base schliersee sowie Stefan Hütter, der mir immer mit Rat und Tat zur Seite steht. Auch bei Skinfit Showroom Bad Tölz mit Andi Biberger möchte ich mich bedanken, der mich mit Hightech-Kleidung eingedeckt hat . Die Kleidung wurde dann rechtzeitig von der Firma Refoch-tech in Miesbach nach meinen Wünschen bedruckt, auch hier ein danke :). Der Dank geht auch an alle weiteren Sponsoren.
Auch meiner Familie und Freunden möchte ich für die mentale Unterstützung und der Hilfe bei der Organisation danken.
Danke für die schöne Zeit mit Till Drobisch, Stefan Hiene, Kristina, Emiliano Ballardini , Sebastian Jahnke und Reuben
Ein weiterer Dank geht an Trent Key, Aiden, Ingrid und die ganze First National Bank from Namibia, die uns zu diesem Rennen eingeladen haben.
