Schnelle Väter und Söhne an der Waterkant
15. Vattenfall Cyclassics – Hamburg, 15. August 2010
Die Vattenfall Cyclassics sind das größte Radrennen für Profis und Jedermänner in ganz Europa. Während bei den Profis mit den Pro-Tour-Teams die 18 besten Radteams der Welt 216 km zurücklegen müssen, haben die rund 22.000 (!) Hobbyfahrer die Wahl zwischen drei Distanzen: 57 km, 102 km und 157 km. Aber alle können sich entlang der Strecke von rund 800.000 Zuschauern anfeuern lassen. Das unvergleichliche Flair wollten sich auch Max und Andreas Hubert und Felix und Thomas Kolarz von der équipe vélo nicht entgehen lassen.
Die beiden ersten standen auf der Kurzstrecke für das Berliner Team Pasculli am Start, das mit hohen Ambitionen antrat und aus dem ersten Startblock ins Rennen gehen konnte. Für den 15-jährigen Max war es erst das zweite Jedermann-Rennen überhaupt und man kann mit Fug und Recht behaupten, dass er sich bravourös geschlagen hat, denn er hielt das hohe Tempo gut mit und war nach 1:28:03 Std. – das entspricht einem Durchschnittstempo von 38,8 km/h – als insgesamt 276. von über 5200 gewerteten männlichen Teilnehmern im Ziel. Das war zugleich eine Top-Ten-Platzierung (8.) in der jüngsten Altersklasse (U17). Das Training in der Gruppe und geschickte Ausnutzen des Windschattens haben sich dabei sicher bezahlt gemacht.
Vater Andreas (hier am Start beim Handschlag mit seinem Partner Maik Kresse, Foto: Kerstin Winterkamp - vielen Dank für die Genehmigung, das Bild zu verwenden) hatte sich nicht mehr und nicht weniger vorgenommen, als mit dem Team Pasculli die Teamwertung zu gewinnen und dafür war es natürlich nötig, auch in der Einzelwertung weit vorne zu landen. Die Hauptstadt-Equipe hielt das Tempo in der Spitzengruppe von Anfang an hoch und drückte dem Rennen gemeinsam mit dem Hamburger Team von Hacht seinen Stempel auf. Während mehr und mehr Fahrer hinten rausfielen, blieb eine gut 30-köpfige Gruppe bis zum Zielsprint zusammen, darunter die vier Pasculli-Fahrer mit Andreas Hubert von den Grün-Weißen, der mit dem 19. Gesamtplatz (Rang 7 bei den Senioren II) in 1:18:57 Std. ein ebenso gutes Ergebnis ablieferte wie sein Sohn. Sein Team musste sich den etwas sprintstärkeren Hamburger Gegnern um ganze 4 Sekunden (!) geschlagen geben.
Die beiden Kolarz-Männer hatten sich mit knapp 10.000 Mitstreitern für die 100-km-Distanz entschieden. Die Teamwertung spielte keine Rolle, aber ein besseres Ergebnis als beim letzten Mal sollte es schon sein. Wurde es auch, denn die Bombenstimmung und der Start aus dem ersten 100er-Block motivierte – auch wenn der kraftraubende Ziehharmonikaeffekt den beiden das Leben im hinteren Teil dieses Blocks nicht leicht machte. Zumal vorne ein so höllisches Tempo vorgelegt wurde, dass es zum Zusammenschluss mit dem früher gestarteten schnellsten 155er-Block kam. Nach rund 65 km wurde das etliche Hundert Fahrer starke Feld, in dem höchste Konzentration nötig war, allmählich gesprengt. Hier musste Felix abreißen lassen, während sein Vater Thomas, der allerdings auch mehr Trainingskilometer in den Beinen hatte, Anschluss an das vordere Feld hielt. Doch nach rund 88 km bei der Überquerung der berüchtigten Kohlbrandbrücke fehlten auch ihm die Körner, die er schon in der ersten Rennhälfte einsetzen musste. Dennoch kamen beide mit Bestzeiten und hervorragender Platzierung ins Ziel: Thomas belegte nur zwei Minuten hinter dem Sieger Gesamtrang 158 (74. Senioren II) und Felix weitere 2½ Min. später Gesamtrang 250 (28. Herren allgemein). Ein Ergebnis, das sich sehen lassen kann.
